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Hier und da

Allein nach Köln. Einsteigen, Platz nehmen, abfahren: endlich unterwegs. Im Staub an den Fenstern haben Regentropfen senkrechte Muster hinterlassen.

 

Häuser von hinten. Auf der Wiese im Garten Hühner. Das Schaukelbrett nur noch an einem Seil.

 

Halt. Mir gegenüber setzen sich zwei Mädchen mit ihrer Mutter. Die Größere trägt viele geflochtene kleine Zöpfe. Sie wackelt im Rhythmus des Zuges mit den Beinen. Wir schauen einander an.

 

Auf dem Rasen das Motorboot in zwei Teilen. Hinter dem nächsten Zaun die Brombeerhecke. Der Einkaufswagen an der Böschung, hinuntergestürzt. Mit Graffiti besprüht die lange Mauer: Peace.

 

Die Mutter schimpft: Sitz still. Zwei leuchtende Augen verdunkeln sich. Die Kleine fragt: Papa bald?

 

Hunderte von Wohnmobilen auf einem Parkplatz, alle gleich. Die Eisenbahnbrücke über den Rhein. Einige Bäume bis zu den Kronen im Wasser. Neben dem Umspannwerk der Wald von Masten.

 

Die Große blickt herüber und schlägt ihre Beine übereinander, so wie ich.

 

Am Nachbargleis Oberleitungen, sich annähernd, voneinander entfernend, sich scheinbar kreuzend. Der Mond springt dazwischen hin und her.

 

In die Scheibe

zwinkern - ein Lächeln

kommt zurück

 

Veröffentlicht in: Sommergras, Zeitschrift der Deutschen Haiku-Gesellschaft, Nr. 82, September 2008