Administration

kunstlebendig.de

 

 


 

ICH DENKE NACH 

 

Ich denke nach.

Ich habe keine Ahnung.

Ich denk oft nach

und weiß zum Schluss nicht, was

ich machte,

was ich dachte,

keine Ahnung.

Ich spür nur, meine Augen,

die sind nass.

 

(1/98)


 


 

ICH 

 

Ich liebe zu viel.

Ich gedulde mich nicht.

Ich falle in Löcher

und schreib ein Gedicht.

Ich les lange Briefe

und ängstige mich

vor Gewitter.

Ich glaube,

das alles bin ich.

 

(1998)

 

 


 

 

MUTGEDICHT

als ich verzagt in der ecke hocke, schaut
der mut neugierig nach mir, leuchtet
aus den augen eines kindes, spielt
als lächeln um den mund eines fremden, hüpft
ins herz und legt
mir ein lied auf die lippen, ein gedicht
in die feder

(1/98)

 

 


 

 

JANUAR 

 

Die Weide hat einen Zopf.

Ich kämmte ihr das Haar.

Die Sonne schien in mich

und das im Januar.

 

(1/98)

 

 

 

 


 

WOHIN 

 

Diese Sehnsucht ist so still,

doch sie ist für mich nicht stillbar.

Dieser Wunsch,

der mich erfüllt,

bleibt mir dennoch unerfüllbar.

Heute fall ich,

morgen steh ich

AUF!

 

Nein, so tief war mir kein Sturz,

um nicht tiefer abzustürzen.

Doch das Leben ist zu kurz,

um es einfach abzukürzen.

Nein, ich spring nicht,

lieber sing ich

LAUT!

 

Doch die Liebe, die ich geb,

ist auf keinen Fall vergeblich.

Und das Leben heb ich auf,

denn es ist nicht unerheblich.

Heut nur wein ich,

morgen lach ich

DOCH!

 

Heute fall ich,

morgen steh ich.

Wohin geh ich

DANN?

 

(2/98)

 


 

 

 

GEFANGEN 

 

Ich bin in mir.

Niemand kann rein.

Ich kann nicht raus.

So ganz allein.

 

Ich bin in mir.

Niemand will rein.

Ich möchte raus.

Fang an zu schrein.

 

Ich bin in mir.

Ich rufe laut.

Die Tür geht auf.

Ich flieg hinaus.

 

Bin außer mir.

Flieg nur ein Stück.

Bin neben mir.

Ich will zurück.

 

Zurück in mir.

Mit mir zu zwein.

Hier bin ich gut.

Hier muss ich sein.

 

(2/98)

 

 

 

 


 

IRGENDWANN I

 

Irgendwann,

wann ist denn das?

Irgendwann, zu seiner Zeit.

Irgendwann

meint: heute nicht,

morgen nicht, es ist noch weit.

 

Irgendwann

heißt: Warte noch,

warte ab, gedulde dich.

Irgendwann

macht es mich stumm

und ich frage weiter nicht.

 

Irgendwann

wird Nirgendwann,

wenn ich ihm nicht mehr

glauben kann.

 

(2/98)

 


 

NACH MITTERNACHT 

 

Diese Stunde, die ich liebe,

wenn die Welt im Traum versinkt,

wenn nur noch der Nachbarn Standuhr

dong, dong, dong herüberklingt.

 

Diese Stunde ganz alleine,

Stille dehnt sich lang wie breit,

und ich denke an so viele,

die sind näher dann als weit.

 

Diese Stunde, die ich nehme,

Kinder schlafen, du schläfst auch.

Diese Stunde, da ich spüre,

dass ich mich auch selber brauch.

 

(2/98)

 

 

 


 

KALTER MÄRZMORGEN 

 

Die Pfütze knackt beim Laufen,

trägt Sternenmustereis

und obendrüber tanzen

die Kirschbaumblüten –

rosaweiß.

 

(3/98)

 


 

 

April, April,

der weiß nicht,

was er will.

April, ach ich,

verstehe dich...


(4/98)

 

 

  


 

alles anders

 

zweifeln bis zum verzeifeln.

hoffnungslos zu hoffen,

dass das endlich ein ende nähme.

die sehnsucht nach stille ist längst gestillt

und doch bleibt das zu sagende ungesagt.

noch immer warten die erwartungen

trotz ihrer ungeduld geduldig.

doch die ruhe ist unruhig,

die liebe unbeliebt.

und die angst schreitet mutig voran.

 

(4/98)

 


 

 

TELEFONATE 

 

und diese netten kleinen pausen,

wo beide schweigen,

wo der eine dem anderen zeit zum denken gibt

und sich die gedanken in der mitte des weges treffen,

wo man lernt zu warten und zu vertrauen,

dass da jemand ist, auch wenn er schweigt.

das sind die pausen,

die mehr sagen

als alle worte.

 

(4/98)


 

 

Die Erwartungen 

müssen WARTEN.

UN-ER-HÖRT.

 

(6/98)

 

 

 


 

Gegen die Angst

glaubte ich,

wissen zu müssen.

JETZT

weiß ich,

dass ich glauben muss.

 

 (6/98)

 

 


 

ERINNERUNG 

 

Da, wo du bist,

das große Nichts,

kein Brief, kein Wort,

seit langer Zeit.

Nichts wird, nichts ist.

Das alles war.

Es war in der Vergangenheit.

 

Ich suche noch

in diesem Nichts.

Ich hoffe noch.

Warum? Warum?

Nichts wird, nichts bleibt.

Und dieses WAR

Ist nun eine Erinnerung.

 

(7/98)

 


 

 

 

GEHEIMER PLAN

 

Die Zäune,

die uns einengen,

aufrichten und zu Leitern machen,

mit denen man die Höhe erreichen kann.

 

Den Abgrund

mit den Zäunen,

die uns begrenzen, überbrücken

und auf die andere Seite gelangen.

 

(8/98)

 

 

 

 

 


 

BLEIERNER Tag

legt sich auf die Glieder.

EISERN versuche ich,

ihm standzuhalten.

 

(8/98) 

 


 

Fröhlich sein.

FROHLOCKER werden.

Locker durch den Alltag gehen.

 

(8/98)

 

 


 

IN GEDANKEN

 

Niemand weiß

wie das heißt

wenn man starrt

still verharrt

Augen weit

aus der Zeit

Zustand irr

Haare wirr

Kopf so voll

Denken toll

etwas leer

und auch schwer

beinah leicht

unerreicht

Fragen viel

ohne Ziel

schmaler Pfad

auf dem Grat.

Kipp nicht ab!

Mach nicht schlapp!

Komm zurück!

Was ist Glück?

 

(10/98)

 

 


 

 

ÜBERFALL 

 

Sie kommt von hinten

und hält dich fest.

Sie wird dich besiegen,

wenn du sie lässt.

 

Sie trinkt deine Tränen

und wächst ein Stück.

Sie wummert laut in dir

und weicht nicht zurück.

 

Trockne die Tränen

und dreh dich um.

Sieh ihr in die Augen,

das macht sie stumm.

 

Singe ein Lied,

denn du allein kannst

sie überwinden.

Es ist deine Angst.

 

(10/98)

 

 

 


 

 

ENTTÄUSCHUNG 

 

Sie ist ganz klein erst,

du merkst sie kaum.

Ein gelbes Blatt nur

am grünen Baum.

 

Doch sie wächst, es werden alle

Blätter fahl und grau.

Taumelnd fallen sie zu Boden.

Ich steh still und schau.

 

Das Hoffnungsgrün

wohin ist es verschwunden?

Ich bin auf der Suche.

Wer hat es gefunden?

 

(10/98)

 

 

 


 

FREUDENSCHLUCK 

 

Ich trinke

einen Schluck Freude.

Langsam rieselt er

in mir hinab

bis die Füße zucken

und das Herz hopst,

die Augen leuchten

und mir wärmer wird

von Freude durchströmt.

 

Ein Schluck Freude ist klein,

wie das Singen der Amsel,

das Lächeln des Briefträgers,

die Knospe am Weg.

 

Schluck für Schluck

wird mir fröhlich und warm.

 

(11/98)

 

 

 


 

Viele

verschiedene

Menschen.

Warten.

Worauf?


(12/98)